Tradition und Brauchtum seit 1915:
Zuger Kirschtorte

Kirschtorten-Erfinder Heinrich Höhn mit seiner Frau Hanna und Angestellten vor seiner ersten «Café-Conditorei H. Höhn» an der Alpenstrasse 7, um 1913/14 (Foto: Susi Voser, Zug).

Erstes Inserat für die neue «Zuger-Kirschtorten Spezialität» von H. Höhn-Schweizer, erschienen am 23.12.1915 in den Zuger Nachrichten (Zeitung: Archiv Bibliothek Zug).

Pappdeckel aus der «Conditorei-Tea-Room H. Höhn», 20. Jahrhundert (Pappdeckel: Sammlung Ueli Kleeb, Zug).

«Concours Culinaire Expo 1964 Lausanne» der Zuger-Kirschtorten-Produzenten an der Schweizerischen Landesausstellung, 1964 (Foto: Archiv Bibliothek Zug).
Die «Zuger Kirschtorte»
Der Konditor Heinrich Höhn (beheimatet in Hirzel ZH, geboren 1889 in Herisau AR, Jugendzeit und Konditorlehre in Herisau AR, Wanderjahre in Deutschland, Konditor in Zürich und Zug, gestorben 1957 in Zug) erfand zwischen 1913 und 1921 die Zuger Kirschtorte, nachdem er über Jahre hinweg an der richtigen Rezeptur einer mit Kirsch getränkten Torte herum getüftelt hatte. Inspiriert wurde Höhn von der leichten Verfügbarkeit einer einmaligen Vielfalt an aromatischen Kirschwassern in der Region.
In Zug kursieren diverse Anekdoten über die Entstehung der Zuger Kirschtorte. 1913 eröffnete Heinrich Höhn zusammen mit seiner Frau Hanna die «Conditorei u. Caffee H. Höhn» im Haus «Zur Spindel» an der Alpenstrasse 7 im Neustadtquartier, nahe beim Bahnhof Zug. Man erzählt sich, dass die benachbarte «Zugerhof»-Wirtin Stadler und der «Central»-Hotelier Föry in der damaligen Backstube regelmässig Tortenprototypen degustierten und kritisierten, bis das neue Kirschgebäck die richtige Konsistenz besass.
Das erste Werbeinserat für die neue «Zuger Kirschtorte» erschien bereits an Weihnachten 1915 in der «Zuger Zeitung», weshalb dieses Jahr als offizielles Erfindungsjahr gilt. 1917 lag dann die ursprüngliche Torte mit der heutigen Struktur, zwei Japonaisböden und einer dazwischen liegenden, mit Kirschsirup getränkten Biskuitschicht, vor. Angelockt durch Inserate in der Neuen Zürcher Zeitung kamen nach 1918 die ersten Automobilisten auf ihren in die Mode gekommenen Ausflügen bis nach Zug, um Kirschtorten zu probieren oder als Spezialität zu posten. 1919 zog Höhn in ein grösseres Lokal um, ins benachbarte Haus «Merkur» an der Bundesstrasse 3 in Zug. Das Kirschtortenrezept wurde dort bis 1921 weiter ausgereift und verfeinert.
1922 liess Höhn die Zuger Kirschtorte beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum mit der Schutzmarke Nr. 51922 und dem blauen Band schützen. Aus dieser Zeit stammen auch eine originale Handskizze des Tortendekors mit dem typischen Rautenmuster sowie eine reich illustrierte Original-Verpackung für den Versand der delikaten Zuger Spezialität.
Die Zuger Kirschtorte trat daraufhin ihren Siegeszug rund um die Welt an und wurde u.a. 1923 in Luzern mit der Goldmedaille und 1928 in London mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Es folgten weitere Goldmedallien 1930 in Zürich und Zug, 1935 in Zug, 1938 in Luxemburg, 1954 in Bern und 1964 an der Expo.64 in Lausanne. Zu Ehren des Kirschtorten-Erfinders komponierte Fritz Mensik, ein periodisch in Zug gastierender Wiener Salonmusiker, den «Zuger Heiri-Höhn-Marsch».
Bald schon stellten auch Höhns Konkurrenten eigene Kirschtorten her. In den 1930er Jahren war Höhn gezwungen, gerichtlich gegen den illegalen Verkauf von angeblich «echten Zuger-Kirschtorten-Rezepten» bzw. gegen die missbräuliche Verwendung des Begriffs der «echten Zuger Kirschtorte» vorzugehen. Der Erfinder übergab das erfolgreiche Geschäft samt den Torten-Schutzrechten 1943 an seinen Chefconditor Jacques Treichler, der in Spitzenzeiten 100'000 Kirschtorten pro Jahr produzierte. Seit 2004 gehört die «Konditorei Treichler» zur «Heini Conditorei Luzern», welche die Zuger Kirschtorten auch weiterhin in Zug produziert.
Das Rezept der handgefertigten Zuger Kirschtorte hat sich seit ihrer Erfindung stetig verändert. Einerseits wurden gewisse Zutaten ersetzt, andererseits gab es auch Optimierungen in der Produktion. Die bedeutendste Veränderung betrifft die Menge des Kirschs. Zur Zeit Höhns verwendete man Alkohol in Torten eher als Aromastoff und nicht als wesentlichen Bestandteil einer Torte. Mit der Zeit stieg der Anteil des Kirschs kontinuierlich an, heute macht er einen wichtigen und typischen Teil der Torte aus. Das Originalrezept von Höhn ist nicht handschriftlich überliefert. Das Kirschtortenrezept im 1933 erschienenen Kochbuch der Zuger Haushaltungsschule «Salesianum» gilt heute als älteste Überlieferung, die dem Tortenoriginal am nächsten kommen dürfte.
Neben dem seit 1870 weltbekannten Zuger Kirsch und der 2009 lancierten Zuger Chriesiwurst gehört die Zuger Kirschtorte zu den bekanntesten und beliebtesten Spezialitäten aus der Region Zug.
2008 wurde die Zuger Kirschtorte offiziell ins Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz aufgenommen. Zur Förderung der Zuger Kirschtorte ist 2010 die ZUGER KIRSCHTORTEN GESELLSCHAFT, der Zusammenschluss aller Zuger Kirschtortenproduzenten, gegründet worden. Der neue Verein hat das Ziel, die Kirschtorte als wichtiges historisches Kulturgut zu bewahren und damit das Image des Kantons Zug zu fördern. Und 2011 wurde der Kirschenanbau im Kanton Zug im Rahmen der UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes offiziell in der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz vermerkt.

Logo des Vereins «Kulinarisches Erbe der Schweiz» © 2008
Die «Zuger Kirschtorte» efreut sich nach wie vor grösster Beliebtheit und wird als typisches Zuger «Mitbringsel» gekauft oder in die ganze Welt verschickt. Im Kanton Zug werden jährlich über 250'000 Kirschtorten hergestellt und dafür rund 15'000 Liter Kirsch verwendet. In der Stadt Zug wird die traditionelle «Zuger Kirschtorte» von verschiedenen Konditoreien verkauft oder kann per Post bestellt werden.
Neben der Kirschtorte sind noch andere typische Zuger Chriesisüssigkeiten im Angebot: Zuger Kirschstängeli, Zuger Chriesiblüete, Zuger Chriesiglacé und viele weitere Spezialitäten.
- Confiserie Speck, Alpenstrasse 12, Zug, 041 711 38 88: www.zugerkirschtorte.ch, www.speck.ch
- Treichler Zuger Kirschtorten, Bundesplatz 3, Zug, 041 711 44 12, www.zuger-kirschtorte.ch
- Confiserie Meier, Alpenstrasse 16, Zug, 041 711 10 49, www.diezugerkirschtorte.ch
- Confiserie Strickler, Bahnhofstrasse 28, Zug, 041 711 14 02, oder Konditorei-Café zum Schlüssel, Menzingen, 041 755 25 52, www.confiserie-strickler.ch
- Aeschbach Chocolatier, Riedstrasse 11, Cham, 041 747 33 33: www.aeschbach-chocolatier.ch
- Zumbach Bäckerei-Confiserie AG, Zugerstrasse 32, Unterägeri, 041 750 63 58: www.zumbibeck.ch
- Leue-Beck, Neugasse 24, Zug, 041 711 16 29
- Bäckerei-Konditorei-Confiserie von Rotz GmbH, Knonauerstrasse 3-5, Cham, 041 780 50 04, www.echt-vonrotz.ch
- Bäckerei Nussbaumer AG, Hinterbergstrasse 15, Cham, 041 743 24 00, www.beck-nussbaumer.ch
- diverse weitere Kirschtorten-Produzenten im ganzen Kanton Zug
- ZUGER KIRSCHTORTEN GESELLSCHAFT,
www.zuger-kirschtorten-gesellschaft.ch
- Kulinarisches Erbe der Schweiz, www.kulinarischeserbe.ch
- Schweizerische Vereinigung der AOC-IGP,
• BAK Bundesamt für Kultur, UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, www.bak.admin.ch
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